
Sheridan - Spuren der Geschichte
Zwischen NS-Vergangenheit, amerikanischem Alltag und neuem Leben
Heute führen Wege durch grüne Wiesen, vorbei an Wohnhäusern, einer Schule und alten Gebäuden. Kinder spielen, Menschen gehen spazieren. Auf den ersten Blick wirkt der Sheridan Park wie ein gewöhnliches Stück Augsburg.
Doch dieser Ort hat eine bewegte Geschichte.
Wo heute ein moderner Stadtteil entstanden ist, befanden sich einst Kasernen der Wehrmacht. Während des Nationalsozialismus wurde die Halle 116 zum Außenlager des Konzentrationslagers Dachau. Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzten die amerikanischen Streitkräfte das Gelände jahrzehntelang als Militärstandort.
Mit little walks entdeckst du die Spuren dieser Vergangenheit. Du erfährst, welche Geschichten sich hinter erhaltenen Gebäuden, unscheinbaren Plätzen und heutigen Straßennamen verbergen – und warum dieser Ort für Augsburgs Erinnerungskultur so wichtig ist.
Zehn Stationen, die Geschichte sichtbar machen
Der Rundgang führt dich durch das Gelände der ehemaligen Sheridan-Kaserne. An zehn Stationen erfährst du, wie sich dieser Ort im Laufe der Jahrzehnte verändert hat und welche Spuren seiner Vergangenheit bis heute geblieben sind.
Sheridan Park – der Name und seine Geschichte
Die US Army benannte ehemalige Wehrmachtskasernen häufig nach gefallenen amerikanischen Soldaten. Sheridan starb bei der Befreiung Deutschlands vom Naziregime im November 1944. Er wurde 19 Jahre alt.
Exerzierplatz und ehemalige Kommandantur
Hier befand sich der Exerzierplatz der Heeresnachrichtenkaserne. Heute laden Kletterwände, Tischtennisplatten, Basketball- und Beachvolleyballfelder zum Spielen ein.
Westparkschule und Willi-Weise-Straße
Willi Weise wurde wegen seines politischen Engagements 1941 in das Konzentrationslager Flossenbürg gebracht. Dort starb er nur vier Wochen später.
Das Leben amerikanischer Soldaten und ihrer Familien
Bis zu 30.000 Amerikanerinnen und Amerikaner lebten zeitweise am westlichen Stadtrand von Augsburg. Das Leben der amerikanischen Soldaten und ihrer Familien in Augsburg bietet Stoff für mehrere spannende Themen.
Grünflächen und Spuren der Vergangenheit
Hier stand einst ein Hochbunker. Es war ein Gerüst aus massiven Stahlbetonwänden. Das ebenso massive Dach wurde von Architekten als „Sargdeckel“ bezeichneten
Das ehemalige Offizierscasino
Roy Black und seine Rockgruppe durften im Offizierscasino als Vorgruppe auftreten. Für die Mannschaften gab es auf dem Kasernengelände den sogenannten NCO-Club. Dort spielten regelmäßig deutsche Bands englischsprachigen Rock.
Die Chapel und das ehemalige Kasernenareal
Sie ist das einzige Gebäude, das die Amerikaner innerhalb der Sheridan-Kaserne errichtet haben und das bis heute erhalten ist. Während der Zeit der US-Armee nutzten verschiedene Religionen und Glaubensgemeinschaften die Chapel gemeinsam.
Halle 116
Ein steinernes Zeugnis der NS-Verbrechen! Denn im Jahr 1944 wurde die Halle zu einem Außenlager des Konzentrationslagers Dachau umfunktioniert. Zeitweise waren hier bis zu 2.000 männliche Häftlinge untergebracht. Sie mussten unter unmenschlichen Bedingungen leben und vor allem Zwangsarbeit in den Messerschmitt-Werken an der Haunstetter Straße leisten.
Kirchen und Spielplätze
Wo einst Soldaten zum Appell antraten, laden heute Spielplätze, Grünflächen und offene Wege zum Aufenthalt ein
Ein Ort zwischen Vergangenheit und Gegenwart
Der Sheridan Park erzählt nicht nur eine Geschichte. Er steht für unterschiedliche Epochen, die eng miteinander verbunden sind: die Aufrüstung im Nationalsozialismus, die Verfolgung und Ausbeutung von Menschen, das Ende des Krieges und die jahrzehntelange Präsenz der US-Streitkräfte.
Nach dem Abzug der Amerikaner 1998 wurde das Gelände schrittweise umgestaltet. Wo einst militärische Gebäude und abgesperrte Bereiche das Bild bestimmten, entstanden Wohnungen, Gewerbe, Grünflächen und öffentliche Einrichtungen.
Gerade dieser Wandel macht den Spaziergang spannend. Denn Geschichte ist nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen. Manchmal braucht es einen zweiten Blick – und die Geschichten, die einen Ort verständlich machen.
