
Das Fuggerhaus am ehemaligen Heu- und Rindermarkt, der heutigen Philippine-Welser-Straße
Eines der frühesten Machtzentren der Fugger: Wohnsitz, Handelszentrale, Logistikzentrum und Sitz der Goldenen Schreibstube
Am heutigen Straßenzug der Philippine-Welser-Straße, wo einst der alte Heu- und Rindermarkt lag, erhob sich im späten 15. Jahrhundert eines der frühen Machtzentren der Fugger. Hier, an einer der besten Adressen der Stadt, erwarben 1488 Ulrich Fugger und sein Bruder Georg, mehrere Grundstücke und ließen sie zu einem großen, funktionalen Komplex umbauen. Zwischen etwa 1490 und 1495 entstand so ein Gebäude, das zugleich Wohnsitz, Handelszentrale und Logistikzentrum war.

Das Haus war kein stilles Patrizierpalais, sondern ein Ort voller Leben und Bewegung:
Im Inneren wohnten Ulrich und Georg mit ihren Frauen und insgesamt 15 Kindern, während gleichzeitig Händler, Boten und Fuhrleute ein- und ausgingen. In den Höfen standen Pferde und Wagen, in den Lagerräumen stapelten sich Waren aus ganz Europa.
Besonders berühmt war die „Goldene Schreibstube“, die sich hier befand.

Sie war das administrative Herz des Fugger-Unternehmens: ein prächtig ausgestatteter Raum mit Holzvertäfelung und goldenen Leisten, in dem die Buchhalter die weltweiten Geschäfte der Familie verwalteten. Von hier aus wurde ein Handelsnetz organisiert, das sich von Italien bis Spanien und darüber hinaus erstreckte.
Auf dem Bild sind Jakob Fugger mit seinem Buchhalter Matthäus Schwarz in der „Goldenen Schreibstube“ dargestellt. Auf den Schubladen sind die Faktoreien, Niederlassungen der Fugger, aufgeführt: Rom, Venedig, Budapest (damals Ofen), Krakau, Mailand, Innsbruck, Nürnberg, Antwerpen, Lissabon.
Matthäus Schwarz war im Übrigen nicht nur Buchhalter. Er hatte auch einen Modefimmel wie man hier sieht und überlieferte mit seinem Trachtenbuch ab 1520 die damalige Kleidermode.
Architektonisch zeigte das Gebäude bereits den Reichtum seiner Besitzer:
Gotische Portale mit den charakteristischen Fuggerlilien schmückten den Bau und signalisierten Macht und Prestige. Gleichzeitig blieb das Haus praktisch organisiert:
Es enthielt Wohnräume für die Familie, Kontor- und Verwaltungsräume, Lagerräume für Waren sowie Stallungen und Wirtschaftshöfe. All dies vereinte sich in einem einzigen Gebäudekomplex. Heute zeugen nur noch das Portal und einige alte Fotografien vom damaligen Bau.
Die Firma Kröll und Nil erwarb das Gebäude 1897 und ließ die räumliche Struktur weitgehend bestehen. Trotz Umbauten 1899 und 1925 erhalten wir einen vagen Eindruck von dessen Reichtum.


Leider blieb dieses bedeutende Zeugnis der frühen Fuggergeschichte nicht erhalten. In der verheerenden Bombennacht vom 25. auf den 26. Februar 1944 wurde das Gebäude bei den Luftangriffen auf Augsburg weitgehend zerstört. Mit ihm verschwand ein Stück jener spätmittelalterlichen Stadt, in der die Fugger ihren wirtschaftlichen Aufstieg begründeten und ihre Handelsgeschäfte zu einem europaweit verzweigten Unternehmen ausbauten.

Ein kleiner Teil der Vergangenheit hat jedoch überdauert: der erhalten gebliebene Torbogen mit den charakteristischen Fuggerlilien. Er erinnert bis heute an das einstige Fuggerhaus und an die Familie, die von hier aus einen wichtigen Teil ihrer Geschäfte organisierte.
